Donnerstag, 13. Oktober 2016

European Birdwatch 2016

Trotz Regen war die Beteiligung der Beobachter vom BBC und vom NABU Bonn rege: Rund 20 Teilnehmer haben am Samstag den 1.10.2016 zwischen 9 und 15 Uhr gemeinsam in den Himmel geschaut oder gelauscht, um die durchziehenden Vögel zu zählen. Insgesamt konnten wir 48 Arten nachweisen. Spitzenreiter waren Buchfinken und Wiesenpieper, allerdings mit deutlich geringeren Individuenzahlen als im Vorjahr. Ursache war das schlechte Wetter, bei Regen bleiben die Vögel eher auf den Feldern und in den Hecken statt nach Süden oder Westen zu ziehen. So konnten wir viele der Kleinvögel eher in den umgebenden Hecken als in der Luft entdecken. Im Vergleich zum Vorjahr konnten wir allerdings auffallend mehr Mehlschwalben als Rauchschwalben in diesem Jahr beobachten. Vermutlich aufgrund des verregneten Frühjahrs haben die Mehlschwalben in der Bonner Region noch recht spät ihre Zweitbruten begonnen und bis weit in den September hinein konnten so auch noch Jungvögel in den Nestern beobachtet werden. Es wird spannend sein, ob dieser Trend auch an den anderen zeitgleichen Beobachtungspunkten in Deutschland und Europa festgestellt werden konnte. Erst nach Mittag klarte der Himmel auf und es gab noch etwas mehr Zuggeschehen, insbesondere bei den Wiesenpiepern. Die Thermik lockte dann auch viele Mäusebussarde gleichzeitig in die Luft. Zum krönenden Abschluss zeigte sich uns vor dem Schilfgürtel des Absetzteiches sehr schön eine Wasserralle, die dort ausgiebig nach Nahrung suchte. Das Ausharren hat sich also gelohnt!
Die vollständige Beobachtungsliste gibt es hier

 

Freitag, 16. September 2016

Unsere Freunde die Regenpfeifer - und dann gleich 27 davon...

Die Hochflächen und Kuppen zwischen Mosel und Vulkaneifel sind stark ackerbaulich geprägt. Seit den 1990er Jahren ist bekannt, dass in diesem Gebiet regelmäßig im Spätsommer Mornellregenpfeifer auf dem Wegzug aus den Brutgebieten in ihre Winterquartiere hier rasten. Aus diesem Anlass haben wir uns am frühen Morgen des 21.08.2016 zu fünft von Bonn aus auf den Weg gemacht, um die seltenen Vögel zu beobachten. Wir wussten vorher bereits, dass die Vögel oft schwer zu finden sind und Erfolg nicht garantiert war. Aus Schutzgründen verzichten wir im Folgenden auf genaue Ortsangaben.
An unserem ersten Stopp gingen wir also langsam die Feldwege entlang und suchten immer wieder die Stoppelacker und frisch gepflügten Felder ab, aber leider ohne Erfolg. Es war erstaunlich ruhig und der Kleinvogelzug hatte noch nicht so recht eingesetzt. Vereinzelt hörten wir mal einen Baumpieper, nach längerem Suchen entdeckten wir dann immerhin einige Steinschmätzer auf einer Kuppe. An anderer Stelle zeigten sich Rebhühner in einer Wagenspur – die einst häufigen Feldvögel sind mittlerweile zur Rarität geworden, so dass wir nicht ganz unzufrieden waren. Zurück am Auto bestand jedoch Einigkeit, dass wir nicht so schnell aufgeben wollten, auch wenn der Vormittag schon weit fortgeschritten war. Der Himmel war bedeckt und der Wind zwar spürbar, aber immerhin noch nicht allzu stark.
 
Kurz bevor die Mornells auftauchten... (c) Kathrin Schidelko
Unser nächster Punkt war gut gewählt. Kaum aus dem Auto ausgestiegen, zog eine diesjährige Wiesen- oder Steppenweihe niedrig gen Südwesten vorbei. Die Spektive waren noch nicht aufgebaut und auf große Entfernung war innerhalb weniger Beobachtungsekunden eine Artbestimmung aber leider nicht möglich. Erneut zeigten sich einzelne Steinschmätzer und dann war es endlich soweit: Ein Trupp von 27 Mornellregenpfeifern landete auf einem Acker vor uns. Alle konnten die Vögel mindestens kurz im Spektiv sehen und feststellen, dass nahezu alle Vögel in herrlichem Prachtkleid waren. Die Mornells flogen jedoch rasch wieder auf und landeten an einer erstmal nicht weiter einsehbaren Stelle. 
Bei der Nachsuche trafen wir Mathias Jönck, der die Vögel nach unserer Abreise an der Stelle wiederfinden sollte – an der wir zu sechst lange und geduldig den Acker dachten, abgesucht zu haben: Mornellregenpfeifer können sich unglaublich kryptisch geben und  verschwimmen perfekt mit der Landschaft… 
Von Mathias Jönck erhielten wir noch einen guten Tipp für eine weitere Beobachtungsstelle ganz in der Nähe, die wir zum Abschluss noch aufsuchten. Dort angekommen, dauerte es nicht lange, bis wir einen angekündigten Bienenfresser-Trupp entdeckten: 60 Vögel, die mutmaßlich alle von den umgebenden Brutplätzen der Region stammten, sammelten sich dort und waren eifrig bei der Insektenjagd zu beobachten. Wir beobachteten noch einige Wasservögel, darunter eine Knäkente, bevor es bei einsetzendem Regen gegen 14 Uhr wieder zurück nach Hause ging.

Bienenfresser nutzen einen Zaun als Warte (c) Darius Stiels


Samstag, 3. September 2016

Vogelzug-Exkursion ins Siebengebirge

Zugvogelbeobachter in flagranti (© Jörg Jansmann)
Ziel der heutigen Zugvogel-Exkursion war ein offener Höhenzug auf der Ostseite des Siebengebirges, gelegen zwischen Heisterbacherrott und Oelinghoven. Durch eine abwechslungsreiche, kleinteilige landwirtschaftliche Nutzung mit Ackerflächen, Blühstreifen, Brachen, Weiden, Obstwiesen etc. bieten sich dort geeignete Rastplätze und Korridore für eine vielzahl ziehender Vogelarten. Der Höhenzug fällt Richtung Norden ab und ermöglicht so einen weiten freien Blick bis runter ins Siegtal mit dem Bergischen Land im Hintergrund. Diese Lage macht den Standort besonders geeignet für die Beobachtung größerer Zugvögel, die vom Siegtal südziehend hier hochkreisen, um das Siebengebirge zu überqueren. Am Exkursionstag demonstrierten das u.a. Baumfalke, Rohrweihe und Fischadler (komplette Beobachtungsliste s. ornitho.de unter Gemeinde Königswinter).
Teilnehmer der Vogelzug-Exkursion ins Siebengebirge (© Peter Tröltzsch)


Die äußeren Bedingungen für einen ausgiebigen Vogelzug von nördlichen Brut- in südliche Überwinterungsgebiete waren vorzüglich. Sonniges Wetter mit vereinzelter Wolkenbildung und ausreichender Thermik. Auch für die Beobachter waren die Temperaturen sehr angenehm. Auf der Hochfläche zogen insbesondere Kleinvögel in hoher Zahl durch, darunter u.a. Schafstelzen und Baumpieper. Auch hielten sich einige rastende Vögel in den Feldern auf. Vor allem Bluthänflinge und Dorngrasmücken, aber auch Braun- und Schwarzkehlchen tauchten immer wieder aus der Vegetation auf.

Singdrossel (© Peter Tröltzsch)

Dienstag, 10. Mai 2016

Eines morgens, in aller Frühe... das Birdrace 2016

Es ist der erste Samstag im Mai. Das deutsche Birdrace feiert seinen 13. Geburtstag. Um 4 Uhr rücken die ersten Frühpatrouillen aus durch den Großstadtdschungel oder das Umland und machen Jagd auf Vögel. 100 Jahre nach dem Zeitalter der Flintenornithologie sind allerdings keine Belegexemplare mehr erforderlich: die Mehrheit des Teams muss die Art gesehen oder gehört haben.
6 Teams sind es in der Bundesstadt (BN) sowie 3 im umgebenden Rhein-Sieg-Kreis (SU) - ein neuer lokaler Teilnahmerekord! Damit liegt Bonn erstmals mit dem Kreis Breisgau-Hochschwarzwald hinter Herford, Münster, Nordfriesland und Vorpommern-Greifswald auf Platz 5 der bundesweit teamreichsten Kreise.
In der Innenstadt vernimmt man noch vereinzelt aufdringliche Gesänge von Schluckspechten, Schnapsdrosseln und Bordsteinschwalben. Auf der Liste landen jedoch erfahrungsgemäß zunächst Amsel, Hausrotschwanz und Rotkehlchen - die klassischen Frühaufsteher im Siedlungsbereich. Bei Sonnenaufgang haben die ambitioniertesten Teams in BN und SU schon 25 Arten beobachtet. 15 Stunden Sonne sollen folgen, durch keine Wolke unterbrochen. Perfektes Wetter, um den Tag von Morgen- bis Abenddämmerung draußen zu verbringen; fast zu warm um manche Vögel zu motivieren, sich optisch oder akustisch zu zeigen. Der traditionelle Wermutstropfen: Im Bonner Freizeitpark Rheinaue, dem nach Siegaue vogelartenreichsten Gebiet der Stadt, läuft wie immer am Birdrace-Wochenende "Rhein in Flammen" und hat schon am Vorabend durch den Rummel mit entsprechendem Lärmpegel die meisten seltenen Wasservögel unauffindbar vergrault. Während in BN (141qkm) 2/3 der Teams ohne KfZ unterwegs sind, ist es in SU (1.153qkm) umgekehrt.

10 Jahre Birdrace in Bonn - eine Bilanz

Seit 10 Jahren ist das Bonner Birdrace-Urgestein "Birding for Nature (BfN)" schon hier am Start. Seit 5 Jahren machen ihnen die "Feinschmätzer" mit ihrer Rekordjagd Konkurrenz, die im Vorjahr erstmals ein dreistelliges Ergebnis für Bonn einfahren konnten. In diesem Jahr ist es ihnen wieder gelungen, sensationelle 100 Arten an einem Tag in Bonn aufzutreiben ohne dabei das Stadtgebiet zu verlassen. Das Vorjahresergebnis zu halten war aufgrund der schwierigeren Wetterbedingungen ein wahrer Kraftakt: Am Ende standen im Vergleich zum Vorjahr 11 Radkilometer und 1h mehr zu Buche. Während sie mit dem Ergebnis im Vorjahr erstmals als Bonner Team im Bundesartendurchschnitt lagen, ist jener dieses Jahr leider um 2 Arten gestiegen.
Teams "Feinschmätzer" (links) und "Birding for Nature (BfN)" (rechts) im Sonnenaufgang an der Siegmündung
Wie im Vorjahr gingen auch die "Doppelkornweihen" und die "Cormorane" wieder in Bonn an den Start, die ihre Ergebnisse jeweils um beachtliche mindestens 10 Arten steigern konnten. Team "Cormorane" hat Zuwachs bekommen und damit zumindest in der Region, aber vielleicht auch bundesweit den jüngsten Teilnehmer (1. KJ/diesjährig) an den Start gebracht. Daher gebührt diesem Kinderwagen-Team der Sonderpreis für ambitionierte Nachwuchsförderung.
Besonders erfreulich ist der diesjährige Zuwachs durch die "Blinden Hühner" und die "Ornithologically Enthusiastic Pirates", die ihren erfolgreichen Birdrace-Einstand feierten. Wie kaum anders zu erwarten, haben die Hühner ihrem Namen wenig Ehre gemacht und es doch auf fast 70 Arten geschafft. Den Piraten ist es als einziges Team in Bonn gelungen, 4 Spechtarten zu finden.
Am Ende eines sonnigen Tages haben 6 Teams in Bonn bemerkenswerte 115 Arten zusammengetragen. Jedem der 6 Teams ist es dabei gelungen, exklusiv Arten dazu beizutragen. Im 10. Jahr konnten in Bonn beim Birdrace erstmals Austernfischer, Zwergmöwe (s. Bilder), Mantelmöwe, Alexandersittich und Uferschwalbe beobachtet werden. Damit steigt die Liste der in Bonn in 10 Jahren beim Birdrace gelisteten Arten auf 139! Diese beachtliche Hausnummer inspiriert sicher zu höheren Ambitionen - man darf auf 2017 gespannt sein... Vielleicht packt die "Feinschmätzer" ja nochmal der Ehrgeiz, da sie dieses Jahr als einziges Bonner Team ihr Vorjahresergebnis nicht steigern konnten?

Birdracer im Rhein-Sieg-Kreis

Die "Bon(n)apartemöwen", unsere lokalen Birdrace-Pioniere, sind bereits im 11. Jahr am Start und haben mit 118 Arten einen eindrucksvollen neuen Rekord für den Rhein-Sieg-Kreis aufgestellt und es damit als einziges Team aus der Region bundesweit unter die Top 100 in der Artenwertung geschafft. Hervorzuheben sind auch ihre 69 Singvogelarten, die ihnen in dieser "Binnenland-Wertung" bundesweit Platz 26 und landesweit Platz 1 (!) eingebracht haben. Chapeau! Als einziges Team in unserer Region war ihnen dieses Jahr ein Schwarzspecht vergönnt.
Gejagt werden sie seit einigen Jahren von den "Rheinregenpfeifern", die ebenfalls 2016 mit 112 Arten ihren Teamrekord feiern konnten. Sie sind jedoch schon heiß, den SU-Rekordhaltern 2017 weiter auf den Pelz (bzw. das Federkleid) zu rücken. Sie haben als einziges Team der Region das Birdrace ambitioniert gleich um Mitternacht gestartet und den Waldkauz abgefrühstückt, sich dann aber für wenige Stündchen noch eine Mütze Schlaf gegönnt.
Für die kontinuierliche und umfassende Nachwuchsarbeit besonders hervorzuheben ist das Team "Piepmeyers", die ihr Vorjahresergebnis um tolle 11 Arten steigern konnten. Wenn das so weitergeht, muss sich die lokale Konkurrenz in 5 Jahren warm anziehen.
Insgesamt haben die drei Teams in SU bewundernswerte 126 Arten zusammengetragen. Während "Rheinregenpfeifer" (und "Feinschmätzer") ihre Wappenvögel ticken konnten, gingen die "Bon(n)apartemöwen" erwartungsgemäß diesbezüglich wieder leer aus.

Der Umkreis

Auch in den Nachbarkreisen Köln, Rheinisch-Bergischer und Oberbergischer Kreis, Neuwied, Ahrweiler, Euskirchen und Rhein-Erft-Kreis waren Teams unterwegs, die zusätzlich mit Schilfrohrsänger, Steppenmöwe, Wasseramsel, Kolbenente, Schnatterente, Löffelente, Moorente, Schwarzstorch, Wachtel, Rebhuhn, Silberreiher, Purpurreiher, Wiesenweihe, Bruchwasserläufer, Kampfläufer, Sumpfohreule, Wiesenpieper noch einiges mehr dokumentieren konnten, was sich vielleicht in den Folgejahren mal nach BN/SU verfliegt...

Die Spendenwertung

... ist bekanntlich die zweite Birdrace-Disziplin. Hier haben auch die Teams aus der Region die Chance, bundesweit ganz vorne mitzumischen, die sich auch mächtig ins Zeug legen. Absolut gesehen sind daher die mehr als 3.000 € eingeworbenen Spendengelder des Teams "Birding for Nature" das sensationellste Ergebnis, welche ihnen deutschlandweit Vizemeistertitel eingebracht haben, den sie seit Jahren abonniert haben. Mit knapp 900 € kamen die "Feinschmätzer" auf Rang 5, ihr bisher bestes Ergebnis. Ebenfalls eine stolze Spendensumme von über 300 € haben die "Doppelkornweihen" eingeworben. Zudem haben "Cormorane", "Bon(n)apartemöwen" und "Rheinregenpfeifer" Spender gefunden. Darüber hinaus haben die Teams "Bördnix" und "Piepmätzchen mobil", welche zwar in Diepholz (Niedersachsen) und Nordhausen (Thüringen) aktiv waren, aber sich auch aus BBClern rekrutieren, zum diesjärhigen Rekord-Spendenergebnis von über 26.000 € beigetragen.
Insgesamt haben die BBC-Teams somit über 4.600 € eingeworben, das sind nennenswerte 18% der gesamtdeutschen Spendensumme! Gratulation zur erfolgreichen Werbung und besten Dank an die vielen Spender aus dem Kreise des BBC.

Der Tag danach...

Ausgeschlafene Birdracer beim traditionellen After-Birdrace-BBQ am Sonntagnachmittag im Bonner Stadtgarten

Und sicher gibt es schon Ideen, was man im nächsten Jahr noch optimieren kann... denn nach dem Birdrace ist bekanntlich vor dem Birdrace. Am 6. Mai 2017 bläst der DDA wieder zur Inventur der Vogelwelt (save the date/rettet das Datum)! 

Montag, 18. Januar 2016

Internationale Mittwinterzählung der Wasservögel


Wie zur Mitte jedes der ersten und letzten vier Monate im Jahr fand auch am vergangenen Wochenende wieder die Wasservogelzählung statt. Sie feiert dieses Jahr ihr 50-jähriges Bestehen und ist damit das älteste internationale Monitoringprogramm. Der Zähltermin im Januar stellt gleichzeitig die internationale Mittwinterzählung dar, bei der Beobachter weltweit die Wasservogelwelt synchron erfassen.

In unserer Region wird beispielsweise in der Rheinaue, auf Rhein und Sieg sowie den Stillgewässern im Westen und Osten des Rhein-Sieg-Kreises gezählt. Unter den aktuellen Zählergebnissen hier waren Grau-, Nil-, Kanada-, Rost- und Höckergänse, Höckerschwäne, Stock-, Haus-, Reiher-, Krick-, Schell- und Mandarinenten, Gänsesäger, Hauben- und Zwergtaucher, Bläss- und Teichhühner, Grau- und Silberreiher, Kormorane sowie Lach-, Sturm-, Mittelmeer-, Silber- und Steppenmöwen (Details s. ornitho.de). Tafelenten ließen sich allerdings keine blicken, auf die Wetlands International, DDA und NWO besonderes Augenmerk legen wollten.
Mandarinerpel in der Rheinaue (© Markus Bretschneider)

Interessierte können sich bei der AG Wasservogelzählung der NWO melden, die das Programm in NRW organisiert. Ein besonderer Dank gilt allen Wasservogelzählern, die aktuell oder in seiner langen Laufzeit an diesem Monitoringprogramm ehrenamtlich mitgewirkt haben!

Freitag, 8. Januar 2016

Beringung der Bonner Halsbandsittiche

Bei der gestrigen Zählung unter widrigen Wetterbedingungen wurde die Halsbandsittich-Population am Schlafplatz auf dem Gelände des Römerbades in Bonn-Castell grob auf 800 Individuen geschätzt. Heute fand die erste Beringungsaktion des neuen Jahres statt. Sie wurde in Bonn erstmals 2012 durchgeführt und lief in der Wintersaison 2014/2015 monatlich (s. Zeitungsbericht).
Japannetz zum Fang der Sittiche beim abendlichen Einflug zum Schlafplatz im Römerbad (© Vanessa Schulz)

Nach dem Fang werden Daten wie Geschlecht, Flügellänge und Gewicht erfasst sowie der Gesundheitszustand der Vögel untersucht. Hinter der Aktion stehen viele Fragen, die uns mehr über das Leben der Halsbandsittiche in ihrer neuen Heimat verraten sollen: Wie groß ist das Einzugsgebiet des Schlafplatzes in Bonn? Wie viele der Tiere überleben den Winter und wie alt werden sie überhaupt? Auch sollen beringte Tiere uns bei einem erneuten Fang zeigen, wann welche Federn erneuert werden, woraus schließlich Daten zur Altersbestimmung dieser Art gewonnen werden können.
Sönke Twietmeyer beringt einen Halsbandsittich (© Vanessa Schulz)

Bei der Beringungsaktion am Freitag konnten schließlich 6 Halsbandsittiche gefangen und beringt werden. Es handelten sich überwiegend um noch nicht ausgefärbte ein- bis zweijährige Tiere. Insgesamt ist dies ein eher schlechtes Ergebnis (maximal wurden 68 Tiere gefangen), was vor allem in einem neuen Einflugsverhalten der Halsbandsittiche begründet liegt, auf das die Netzstandorte nicht ausgerichtet waren. Dennoch sind wir aufgrund der Spontanität und den Gegebenheiten zufrieden.
Vanessa Schulz, Katharina Denkinger und Esther Koch (v.l.n.r.) bändigen gemeinsam einen Sittich (© Markus Röhling)

Zum Hintergrund der Fang-Aktion:

Ein Ziel unserer Untersuchungen ist es Daten über morphologische Merkmale für die alters- und geschlechtsspezifische Bestimmung von Halsbandsittichen im Rheinland zu generieren. 

Die in Deutschland und Europa vorkommenden Halsbandsittichpopulationen sind nämlich keiner der beschriebenen Halsbandsittich-Unterarten klar zuzuordnen, da sie auf entflohenen oder freigelassenen Käfigvögeln und Hybridisierungen von Unterarten basieren. Die morphologischen Unterschiede, die zur Alters/Geschlechtsbestimmung der einzelnen Unterarten publiziert sind lassen daher keine klare  Zuordnung der "Bonner"-Individuen zu (vergleiche dazu Studien aus England: Butler 2003 und Butler & Gosler 2004). Eine Ausnahme dabei stellen die Männchen dar, die älter als drei Jahre sind. Diese Tiere können anhand ihres typischen Halsbandes sowohl sicher geschlechtsbestimmt, als auch das Alter als über dreijährig bestimmt werden. Darüber hinaus weisen erste Beobachtungen darauf hin, dass Halsbandsittiche im Winter des ersten Jahres noch gut an den juvenilen Federn erkennbar sind und diese zumindest bei einem Teil der Tiere bis in das zweite Jahr erhalten bleiben können. Zudem unterscheiden sich adulte Männchen und Weibchen in der Färbung der Unterarmdecken, was sich möglicherweise bereits bei immaturen Individuen erkennen lässt. 


Beispiel der Fotodokumentation der Flügelfedern aus der Etablierungsphase der Beringung in Bonn. Beachte besonders die Färbung der Unterarmdecken! M4915 ist auf Basis von DNA-Analysen sicher ein Weibchen (wh. älter als 1 Jahr). M4944 ist ein mindestens 3 Jahre altes Männchen (Halsring!). Das Geschlecht von Tier M4943 ist ohne DNA-Analyse nicht sicher bestimmbar (junges Männchen oder Weibchen).
Literatur:
Butler, C.J. & Gosler, A. (2004): Sexing and ageing Rose-ringed Parakeets Psittacula krameri in Britain. Ringing & Migration, 22, 7–12
Butler, C.J. (2003): Population biology of the introduced roseringed parakeet Psittacula krameri in the UK. PhD thesis, Edward Grey Institute of Field Ornithology, Department of Zoology, University of Oxford, UK.


Weitere Fangaktionen werden über die BBC-Mailingliste bekanntgegeben und das Koordinationsteam um Esther Koch, Sönke Twietmeyer und Victor Corman freut sich über tatkräftige Unterstützung. 

Vielen Dank an alle bisherigen Helfer!


PS: Halsbandsittiche gehören zu den von ornitho.de als Kategorie a priorisierten Arten, denen meldetechnisch ganzjährig besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte und für die zudem möglichst oft eine Häufigkeitsangabe gemacht werden sollte. Bei den Beobachtungen im Rheinland sollte man allerdings genau hinschauen, da auch mal sein großer Bruder, der Alexandersittich, auftauchen kann.

Freitag, 1. Januar 2016

Der Stieglitz - Vogel des Jahres 2016

Der vom NABU gekürte Vogel des Jahres 2016 ist der Stieglitz.
Stieglitz (© NABU/Andreas Hartl)

Als relativ anspruchsloser Bewohner bunter Ecken in Siedlungs- und halboffener Landschaft sollte der Stieglitz keine Probleme haben. Doch durch den Strukturverlust in der Kulturlandschaft geht sein Lebens- und Nahrungsraum zurück. Der Atlas deutscher Brutvogelarten (ADEBAR) belegt diesen Bestandsrückgang.

Da wäre es interessant zu wissen, wie es den rotköpfigen Finken im Bonner Raum geht, der zu seinen Verbreitungsschwerpunkten in Nordrhein-Westfalen gehört. Vogelkundler werden gebeten, alle Stieglitz-Beobachtungen dieses Jahr auf ornitho.de zu melden. Am 7. April 2016 zu 19:30 Uhr laden Peter Meyer und Monika Hachtel zum NABU-Abend mit Schwerpunkt auf dem Stieglitz ins Anno Tubac ein.

Montag, 21. Dezember 2015

Der BBC wünscht allen eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch!

Passt gut auf euch auf...


... und wir sehen uns in 2016, in einem ornithologisch hoffentlich ebenso spannenden Jahr wie 2015!

Sonntag, 4. Oktober 2015

EuroBirdwatch am NABU-Naturschutzzentrum "Am Kottenforst"

Bereits seit 1993 ruft BirdLife jährlich am ersten Oktober-Wochenende zum EuroBirdwatch auf, um in Europa und Zentralasien den Herbstzug zu erfassen. Auch in diesem Jahr veranstaltete der NABU als deutscher BirdLife-Partner bundesweit zahlreiche Veranstaltungen zur Zugvogelbeobachtung. So luden Frank Wissing und Peter Meyer von der NABU Kreisgruppe Bonn gestern ein zum Naturschutzzentrum "Am Kottenforst" im Naturschutzgebiet "Kiesgrube Dünstekoven" (Rhein-Sieg-Kreis).
EuroBirdwatch-Teilnehmer in Dünstekoven
Bei strahlendem Sonnenschein versammelten sich dort rund 30 Ornithologen, die am Tag der Deutschen Einheit von 9:30 bis 14 Uhr unter fachkundiger Leitung beachtliche 58 Vogelarten mit über 600 Individuen beobachten konnten. Highlight waren zwei Merline, die das Gebiet zielstrebig überflogen. Auch Säuger ließen sich blicken: Ein Nutria planschte im Grubenweiher und mehrere Große Abendsegler machten ihrem Namen wenig Ehre, als sie schon in der Mittagssonne in großen Höhen relativ klein erschienen. 
Der Buchfink wurde am häufigsten beobachtet
Die komplette Artenliste ist im Veranstaltungsbericht vom NABU zu finden sowie im Meldeportal ornitho.de. Die deutschlandweit beim EuroBirdwatch gesammelten Beobachtungsdaten stellt der NABU zudem im klassenübergreifenden Meldeportal Naturgucker.de zur Verfügung. Zwischen 1993 und 2014 wurden beim EuroBirdwatch von mehr als einer Million Teilnehmern auf 36.000 Veranstaltungen in mehr als 40 Ländern knapp 60 Millionen Vögel beobachtet. 

Freitag, 4. September 2015

Schleiereulen-Webcam

Spannende Einblicke in das Leben der Schleiereulen. Der Eulenkasten des Bioland-Hofes Apfelbacher in Bornheim-Brenig (Rhein-Sieg-Kreis) ist mit einer Kamera und entsprechendem Equipment ausgestattet, die die Onlineübertragung von aktuellen Standbildern möglich machen:


Um ein neues Bild anzufordern, müsst ihr einfach die Seite aktualisieren!

Dieses Jahr gab es leider keine erfolgreiche Brut in diesem Kasten. Im März waren zwei Eulen anwesend, aber seit Mai sitzt nur noch eine im Kasten. Man kann nur vermuten wieso... Eventuell ist der/die Partner/in dem Verkehr zum Opfer gefallen oder in ein anderes Revier abgewandert. Schade eigentlich, es war ein gutes Mäusejahr und die Chance viele Junge erfolgreich großzuziehen war grundsätzlich recht hoch. Auf ein erfolgreicheres nächstes Jahr!

Großes Lob an unseren BBC-Kollegen Martin Koch für das tolle Projekt!

Alle weiteren Infos gibt es hier: http://dingfabrik.de/eulen/